Krankheitsbewältigung

 

 

In der psychologischen Literatur ist der Begriff „Krankheitsbewältigung“ schon lange eine feste Größe. Gemeint ist damit der Versuch mit, bzw. trotz der eigenen Krankheit zu einem zufriedenen Leben zu finden. Ziel ist es also, Krankheitsbedingte Veränderungen und Einschränkungen zu akzeptieren und in das eigene Leben zu integrieren.


„Alles hat seine Zeit …“


Wird ein Mensch mit der Diagnose einer schweren Krankheit konfrontiert, durchläuft er meist verschiedene Stadien von Reaktionen und Verarbeitungsmustern: Am Anfang besteht oft ein Schock, der bis zur Verleugnung, dem „Nicht wahrhaben wollen“ der Diagnose gehen kann. Hieran schließen sich in der Regel Phasen der Aggression („warum ich?“) und der Depression an, letztere meist durch einen Einbruch des Selbstbildes ausgelöst („ich kann nicht mehr funktionieren wie bisher, wodurch meine gesamte Identität in Frage gestellt wird“). Wenn es gelingt, diese Phasen zu überwinden, kann es zu einer ersten Akzeptanz der eigenen Krankheit kommen. Dabei können die vorherigen Phasen auch mehrmals aufs Neue durchlebt werden, bis es zu einem stabilen Frieden mit den Veränderungen kommen kann.


Blockaden erkennen - Heilungsenergien sinnvoll verwenden


Alle Phasen sind wichtig, um die Erkenntnis einer schweren Erkrankung schrittweise verarbeiten zu können. Wut und Trauer gehören zum Begreifen hinzu und erfüllen eine wichtige, reinigende Funktion für das gesamte Seelenleben. 
Manche Menschen verharren jedoch angesichts ihres Schicksals in Aggression und Depression. Die Folgen sind Resignation oder Verbitterung und ein erheblich gestörter seelischer Frieden. Dieses bleibende „Hadern“ mit dem eigenen Schicksal bindet jedoch wertvolle Lebens- und auch Heilungsenergien! Es kommt zu einer einseitigen Fixierung auf krankheitsbedingte Einschränkungen, einem „Tunnelblick“, bei dem etwaige positive Impulse und Erlebnisse im eigenen Leben kaum mehr wahrgenommen oder als unbedeutend angesehen werden. 
Die große Erkenntnis der Psychoneuroimmunologie ist aber gerade die, dass negativer Stress und damit verbundene negative Gefühle wie bspw. Wut, Trauer, Neid und Hilflosigkeit unser Immunsystem auf Dauer erheblich schwächen. Dagegen weisen Gefühle von Freude, Heiterkeit und Vertrauen eine immunstärkende Wirkung auf. In der Akzeptanz und dem Frieden mit der eigenen Erkrankung – wie auch immer sich dieser im Einzelfall ausdrücken mag – werden also auch auf physiologischem Weg Heilungsenergien freigesetzt, die wiederum positive Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf haben können.


Annehmen statt Resignieren und Hadern


Betrachtet man die Lebensaufgabe ‚Krankheitsbewältigung’ aus einer eher spirituellen Sicht, ergibt sich der Begriff des Annehmens. Annahme ist immer die größte Herausforderung im Leben. Zu einer schweren Erkrankung, die wir in aller Regel ja „so schnell wie möglich wieder los werden wollen“ ‚Ja’ sagen, ‚Ja’ sagen zu Schmerzen, Einschränkungen und Behinderungen - geht das überhaupt?
Annahme ist immer das entscheidende Tor zur Heilung – so paradox das zunächst klingen mag. Erst im Akzeptieren des jeweiligen Ist-Zustandes können sich die eigenen Selbstheilungskräfte voll entfalten und gewinnbringend genutzt werden. Und erst in der Annahme der Erkrankung kann sich der Betroffene, sofern er dafür offen ist, jener Lernaufgaben und Veränderungserfordernisse bewusst werden, die im Einzelfall mit einer Erkrankung verbunden sein können.

Eine Krankheit annehmen heißt nicht zwingend, sie als unabdingbar zu betrachten. Annahme einer schweren Erkrankung meint für mich, sie als momentanen Bestandteil des eigenen Lebens akzeptieren zu lernen. Der Glaube an und die Hoffnung auf Heilung kann - und soll! - daneben erhalten bleiben. Oder wie Carl O. Simonton gesundheitsförderliches Denken treffend beschreibt: 


„Angesichts der Ungewissheit kann Hoffnung nicht schaden“

  

 

Gelungene Krankheitsbewältigung


· kann gerade durch die zufriedenere und gelassenere seelisch-geistige Grundhaltung Heilungsenergien freisetzen, die entscheidend zu Besserung oder Gesundung beitragen können.

· kann zu einem zufriedenen Leben trotz und mit der eigenen Erkrankung führen. Durch das bewusste Erleben „gesunder Inseln“ gewinnt man einen beachtlichen Zuwachs an Lebensqualität. Denn auch wenn man krankheitsbedingt sehr vieles aufgeben und viel erleiden muss – fast immer gibt es auch Lebensbereiche, in denen Genuss, Freude und Selbstverwirklichung gelebt werden können.

  

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